
Grundsteinlegung: Erstes stationäres Hospiz in Dessau
8 Plätze für sterbenskranke Menschen -
Eröffnung voraussichtlich bis 1. Dezember 2007
In Dessau ist am
Freitagnachmittag im Rahmen einer Festandacht der Grundstein für das erste stationäre
Hospiz in Anhalt gelegt worden
. Acht Menschen sollen hier künftig in ihrer
letzten Lebensphase betreut werden können. Das Hospiz in räumlicher
Nähe zum Diakonissenkrankenhaus Dessau wird voraussichtlich bis 1. Dezember in
Dienst genommen. In Sachsen-Anhalt gibt es zurzeit stationäre Hospize in Halle,
Magdeburg und Stendal.
Der
anhaltische Kirchenpräsident Helge Klassohn sagte in seiner Predigt, die
Diskussion um die Legalisierung des Tötens auf Verlangen sei aus kirchlicher
Sicht ein Ausdruck des Leidens an der oft unbefriedigenden Situation von
Menschen in ihrer letzten Lebensphase. „Wir dürfen auf dieses Leiden nicht
dadurch reagieren, dass wir das Töten legalisieren und organisieren, sondern
müssen nach Möglichkeiten für ein menschenwürdiges Sterben suchen." Das
Dessauer Hospiz, so Klassohn, werde „ein Ort der Nächstenliebe sein, ohne die
unsere Gesellschaft den Kältetod sterben würde".
Beteiligt
an der Betreibergesellschaft, der „Hospiz Anhalt Dessau gGmbH", sind neben der Anhaltischen
Diakonissenanstalt (als Grundstückseigentümerin) und dem Leopolddankstift Dessau
(als Bauherr) das Diakonische Werk des Kirchenkreises Dessau, die
Diakoniekrankenhaus gGmbH sowie die Kanzler von Pfau'sche Stiftung Bernburg. Pfarrer
Andreas Polzin, Vorsteher der Anhaltischen Diakonissenanstalt und
Geschäftsführer des Diakonissenkrankenhauses, zeigte sich beeindruckt über die
gute Zusammenarbeit verschiedener Einrichtungen bei Bau und Konzeption des
Hospizes. „Es füllt eine Lücke in Sachsen-Anhalt."
Die
Gesamtkosten für das Hospiz belaufen sich auf 960.000 Euro. Allein 320.000 Euro
davon bringt die ARD-Fernsehlotterie "Ein Platz an der Sonne" auf. „Ohne die
Unterstützung der Fernsehlotterie hätten wir dieses wichtige Projekt nicht
umsetzen können", sagt Oberkirchenrat Christian von Bülow, Administrator des
Leopolddankstiftes. „Deshalb bin ich auch allen Menschen dankbar, die durch den
Kauf eines Loses bei der Lotterie dazu beigetragen haben." Ein weiteres Drittel
der nötigen Mittel wird durch ein zinsloses Darlehen des Bundes aufgebracht,
der verbleibende Betrag stammt aus Eigenmitteln des Leopolddankstiftes.
Die Kosten
für den Betrieb der Einrichtung werden laut gesetzlicher Vorgabe zu 90 Prozent
durch Zuwendungen von Krankenkassen und öffentlicher Hand gedeckt. Die
restlichen 10 Prozent muss der Betreiber selbst oder durch Spenden aufbringen. Dabei
helfen soll ein Förderkreis für das Dessauer Hospiz.
Pfarrer Andreas
Polzin betonte am Freitag auch, dass die Zusammenarbeit von haupt- und
ehrenamtlichen Mitarbeitenden in der stationären Hospizarbeit von großer
Bedeutung sein werde. Er dankte in diesem Zusammenhang den Mitgliedern eines
ambulanten Hospizdienstes in Dessau, dessen Initiative das stationäre Hospiz
erst möglich gemacht habe. „Ich wünsche mir, dass das neue Hospiz ein fester
Bestandteil der Sozialstruktur unserer Stadt und der Region wird - und dass
damit der Gedanke der Begleitung von Sterbenden immer selbstverständlicher wird",
sagte Dr. Gerlinde Otto vom ambulanten Hospizdienst.
Im
stationären Hospiz Anhalt Dessau werden zu Beginn voraussichtlich 5,5
Vollkräfte angestellt sein. Leiterin der Einrichtung wird Schwester Anja
Bremer. Die gebürtige Dessauerin verfügt nach Tätigkeiten in Hospizhäusern in
Hamburg und Halle/Saale über eine reichhaltige Erfahrung auf dem Gebiet der
Hospizarbeit. „In einem Hospiz steht der zu betreuende Mensch ganz im
Mittelpunkt", sagte sie am Freitag. „Nicht das Personal gibt den Tagesplan vor,
es ist der Patient."
Das
stationäre Hospiz in Dessau wurde vom Dessauer Architekturbüro Bankert und
Lohde als heller Bau gestaltet, in dem Hospizgäste zeitgemäß und würdig in der
letzten Phase ihres Lebens betreut werden können. Die Zimmer der Gäste sind in
dem tropfenförmigen Bau um die im Zentrum liegenden Arbeitsräume der
Pflegekräfte angeordnet. Neben dem obligaten Verwaltungsbereich soll es eine
geräumige Wohnküche, einen Raum der Stille und ein gut ausgestattetes Pflegebad
geben.
|